Entsorgung im öffentlichen Raum

Projektinformationen zur Spritzenentsorgung im öffentlichen Raum

Flyer mit Informationen zum Projekt am Beispiel Charlottenburg-Wilmersdorf

Ausgangslage

Insbesondere die Berliner Innenstadt-Bezirke weisen zahlreiche Orte auf, die durch Drogenkonsum und zurückgelassenen Konsumabfälle im öffentlichen Raum belastet sind.

Zu den sogenannten „Konsumabfällen“ beim Drogengebrauch zählen Spritzen, Kanülen, Desinfektionspapiere, Filter, Löffel, Wasserbehältnisse, Folien und deren Verpackungsmaterial.

Insbesondere Kanülen und Spritzen, aber auch die restlichen Materialien können mit Blut verunreinigt sein. Sie wirken damit auf viele Menschen besorgniserregend oder gar abstoßend.

Eine Gesundheitsgefahr für unbeteiligte Dritte resultiert jedoch ausschließlich aus Stichverletzungen durch blutverunreinigte, benutzte Kanülen. Diese Kanülen können mit HIV, Hepatitis B- und Hepatitis C-Viren kontaminiert sein. Ein Infektionsrisiko bei einer unbeabsichtigten Stichverletzung ist im Hinblick auf Hepatitis B oder Hepatitis C unter Umständen gegeben. Eine HIV-Infektion ist mehr als unwahrscheinlich. Weltweit ist noch keine HIV-Infektion über eine Stichverletzung z. B. auf einem Spielplatz bekannt geworden.

Das Auffinden von Konsumutensilien im öffentichen Raum löst bei Bürger:innen verständlicherweise Unsicherheiten und große Ängste aus, insbesondere wenn es um den eigenen Hausflur oder den Spielplatz, den die eigenen Kinder benutzen, geht, die beim Spielen vielleicht gebrauchte Spritzen finden und sich an einer Kanüle stechen könnten.

Auch Reinigungskräfte, Grünpfleger:innen, Polizist:innen und andere Drogengebraucher:innen können beim Betreten von Grünanlagen, bei Reinigungsarbeiten oder bei der Entsorgung von Spritzen eine Stichverletzung erleiden.

Drogen gebrauchenden Menschen ist es nicht immer möglich, nach dem Konsum die gebrauchten Utensilien fachgerecht und sicher an Ort und Stelle zu entsorgen, wie es mit Spritzen auch in Arztpraxen oder Krankenhäusern gehandhabt wird. Ein ungesicherter Transport von gebrauchten Spritzen und Kanülen z. B. zu einer Drogenhilfe-Kontaktstelle ist nicht zu empfehlen!

Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, unmittelbar an den Orten, wo Drogen injiziert werden, Möglichkeiten zur sicheren Entsorgung von Kanülen und Spritzen zu schaffen. Nicht nur in Arztpraxen und zu Hause, sondern auch im öffentlichen Raum.

Was bisher geschah…

Im Frühjahr 2015 initiierte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ein erstes Pilotprojekt zur kommunalen Spritzenentsorgung im öffentlichen Raum. Das Projekt entwickelte sich nach einer ersten Testphase kontinuierlich weiter und hatte Vorreiterfunktion für weitere Kommunen mit überregionaler Signalwirkung. So folgten die Bezirke Neukölln und Mitte in den anschließenden Jahren und es fand 2019 eine Verstetigung und Überführung des Modellprojekts in die Regelversorgung der Berliner Stadtreinigung (BSR) im Bezirk Tempelhof-Schöneberg statt (weitere Informationen dazu finden sich im Zwischenbericht 2015-2018). In Charlottenburg-Wilmersdorf übernahm die BSR im Jahr 2020 erste Behälter im öffentlichen Raum (Stuttgarter Platz) und in Friedrichshain-Kreuzberg werden vereinzelte Entsorgungsbehälter mittlerweile durch das bezirkliche Grünflächenamt betrieben. So stehen inzwischen in sechs Berliner Bezirken über 60 Entsorgungsbehälter.

Wirkungsziele

Es wird ein Beitrag zum Infektionsschutz und damit zur Öffentlichen Gesundheit geleistet.

Einer angstgeleiteten Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen, die Drogen injizieren, wird entgegengewirkt.

Handlungsziele

  • Drogenkonsument:innen werden ermutigt, verantwortlich mit ihren Konsumrückständen umzugehen.
  • Das öffentliche Erscheinungsbild von Grünanlagen und Parks soll hierdurch verbessert werden.
  • Eine Reduktion der Arbeitsbelastung und eine damit verbundene Einsparung von Kosten für die betroffenen Stellen (SGA, Ordnungsamt, Polizei etc.) soll bewirkt werden.

Umsetzungsschritte

Es wurden Entsorgungsbehälter zur sicheren Entsorgung von gebrauchten Spritzen und Kanülen an besonders konsumbelasteten Orten installiert. Dadurch wird eine fachgerechte und sichere Entsorgung potentiell infektiöser Konsummaterialien direkt am Konsumort ermöglicht.

Die Entsorgungsbehälter

Die Entsorgungsbehälter (Modell 7501 „Amperinchen“ der Firma Renner) sind fest im Boden verankert und bestehen aus witterungsbeständigem Material (Metall). Sie verfügen über einen sehr schmalen Einwurf und sind mittels Schlüsselzylinder gesichert, so dass eine unbefugte Entnahme der gebrauchten Spritzen und Kanülen nicht möglich ist. Im Inneren befindet sich ein passgenauer, leicht auswechselbarer und stichsicherer Abwurfbehälter (Medizinprodukt der Fa. Ehrhardt) mit einem Fassungsvermögen von 12 Litern.

Die Betreuung beinhaltet die bedarfsgerechte, regelmäßige Kontrolle und Instandhaltung der Entsorgungsbehälter sowie den Wechsel der Innenbehälter. Je nach Nutzung werden sie in angepassten Frequenzen (von mehrmals wöchentlich bis monatlich) aufgesucht.

Die Soziale Vor-Ort-Arbeit

Fixpunkt e. V. bietet auch Information von Konsument:innen, Bürger:innen und kooperierenden Institutionen, welche als Multiplikator:innen agieren können, an.

Weitere Besonderheiten

Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projekts ist, dass die Entsorgungsbehälter an der richtigen Stelle stehen und auch tatsächlich genutzt werden. Dazu ist es notwendig, dass eine funktionierende Netzwerkarbeit geleistet wird. Wichtig ist ein sehr guter Zugang zu Menschen, die Drogen im öffentlichen Raum injizieren, mittels aufsuchender sozialer Arbeit und niedrigschwelliger Anlaufstellen.

Weiterhin ist es von großer Bedeutung, dass die Erfahrungen kontinuierlich ausgewertet und in eine Weiterentwicklung des Projekts einfließen. Hier kann Fixpunkt e.V. eine jahrzehntelange Expertise aus mehreren Berliner Bezirken einbringen.

Perspektive

Perspektivisch soll die Berliner Stadtreinigung (BSR) oder die bezirklichen Grünflächenämter flächendeckend für die Instandhaltung und Leerung der Behälter, sowie der Entsorgung der Spritzen und Kanülen zuständig werden.

Weitere Informationen

In einer Zwischenauswertung wurden die Erfahrungen aus den Jahren 2015-2018 in den Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln, Mitte und Schöneberg näher beschrieben. Hier finden sich auch Informationen zu den Materialien sowie deren Bezugsquellen.